Die US-Kreditmärkte sind so gesund wie nie zuvor, doch Bitcoin bekommt kaum neues Kapital – das ist das Paradox, das die aktuelle Lage von Krypto zeigt.
Der High-Yield-Distress-Index der Federal Reserve New York ist auf 0,06 Punkte gefallen, das ist der niedrigste Wert, den es jemals gab. Dieser Index misst den Stress im Junk-Bond-Markt. Er zeigt, wie gut die Liquidität ist, wie der Markt funktioniert und wie leicht Unternehmen Kredite bekommen.
Zum Vergleich: Im Jahr 2020, während des Corona-Crashs, sprang der Index auf über 0,60. In der Finanzkrise 2008 lag er bei fast 0,80. Heute zeigen die Werte also sehr gute Bedingungen für risikoreiche Anlagen.
Auch der High-Yield-Unternehmensanleihen-ETF (HYG) zeigt diesen Optimismus und steigt im dritten Jahr in Folge. Die Rendite soll 2025 laut iShares-Daten etwa neun Prozent betragen. Nach klassischer Wirtschaftslehre sollten so viel Liquidität und Risikobereitschaft eigentlich auch Bitcoin und andere Krypto-Werte stärken.
Doch On-Chain-Daten zeigen ein anderes Bild. CryptoQuant-CEO Ki Young Ju sagt, dass frisches Kapital bei Bitcoin „ausgetrocknet“ ist. Das Geld fließt stattdessen in Aktien und Gold.
Das passt zur Stimmung am Markt insgesamt. Die US-Aktienindizes sind weiter nah an ihren Höchstständen. Besonders KI- und Tech-Aktien ziehen viel Risikokapital an. Für große Anleger lohnen sich Aktien aufs Risiko gerechnet weiter mehr als Krypto.
Das bringt eine unangenehme Wahrheit für Bitcoin-Bullen: Es gibt viel allgemeine Liquidität, aber der Krypto-Markt bekommt davon wenig ab und steht am Ende der Kapitalverteilung.
Daten zu Derivaten bestätigen die Stagnation. Das offene Interesse an Bitcoin-Futures liegt laut Coinglass bei 61,76 Mrd. USD über 679.120 Bitcoin. Das offene Interesse stieg in den letzten 24 Stunden um 3,04 Prozent, aber der Bitcoin-Kurs bleibt in einer engen Spanne bei etwa 91.000 USD. 89.000 USD gelten kurzfristig als Unterstützung.
Binance liegt mit 11,88 Mrd. USD offenem Interesse vorn (19,23 Prozent), danach folgen CME mit 10,32 Mrd. USD (16,7 Prozent) und Bybit mit 5,90 Mrd. USD (9,55 Prozent). Die gleichmäßige Verteilung zeigt, dass viele Teilnehmer eher ihre Absicherungen anpassen als große Wetten eingehen.
Auch das Verkaufsmuster von großen zu kleinen Anlegern funktioniert nicht mehr, weil Institutionen langfristige Strategien fahren. MicroStrategy hält nun 673.000 Bitcoin und zeigt keine Anzeichen großer Verkäufe. Die Spot-Bitcoin-ETFs bringen neues „geduldiges Kapital“, was die Schwankungen nach oben und unten verringert.
Shortseller haben in dieser Lage schlechte Chancen. Weil große Halter mit Panikverkäufen zurückhalten, drohen kaum Kettenreaktionen. Gleichzeitig fehlen Longs die Anreize für schnelle Kursanstiege.
Verschiedene Auslöser könnten das Kapital zurück in Krypto bringen: Wenn Aktien zu teuer werden, könnten Anleger zu Alternativen wechseln. Eine deutliche Zinssenkung der US-Notenbank würde die Risikobereitschaft erhöhen. Auch klare Regeln oder Bitcoin-spezifische Themen wie das Halving oder neue ETF-Optionen können Bewegungen bringen.
Solange das aber nicht passiert, bleibt der Krypto-Markt wahrscheinlich weiter in der Seitwärtsphase – gesund genug, um nicht einzubrechen, aber ohne genug Schwung nach oben.
So bleibt das Paradox: In einer Welt voller Liquidität wartet Bitcoin auf seinen Anteil.
Der Beitrag Liquiditäts-Paradox: Kreditmärkte auf Rekordhoch, während Bitcoin hungert erschien zuerst auf BeInCrypto - Krypto News.


